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3. Sinfoniekonzert


Thuner Stadtorchester

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3. Sinfoniekonzert

«Ravel tanzt»
Georges Bizet, Maurice Ravel
Thuner Stadtorchester
Laurent Gendre, Leitung
Choreographie: Joshua Monten

 

Georges Bizet (1838-1875)
Suite Arlésienne Nrn 1 und 2 

Georges Bizets Suiten aus der Schauspielmusik L’Arlésienne Nr. 1 und Nr. 2 nehmen innerhalb seines Werkes eine zentrale Stellung ein und gelten als beispielhaft für die französische Orchestermusik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Musik entstand 1872 als Begleitmusik zu Alphonse Daudets gleichnamigem Drama, dessen Uraufführung zwar nur mässigen Erfolg hatte, dessen musikalische Substanz jedoch bald als eigenständig und konzertant tragfähig erkannt wurde. 
Die Suite Nr. 1, von Bizet selbst zusammengestellt, demonstriert eine synthetische Verbindung von volkstümlichem Material und kunstmusikalischer Verarbeitung. Bizet greift mehrfach auf provenzalische Volksmelodien zurück, insbesondere auf Themen aus der Sammlung Chants populaires de la Provence von Vidal. Die Ouvertüre ist formal geschlossen angelegt und zeigt eine kontrastreiche Themenbehandlung, die zwischen festlich-motorischen Passagen und lyrisch-kantablen Abschnitten vermittelt. Auffällig ist die klangfarbliche Innovation durch den Einsatz des Altsaxophons, das in der französischen Orchestermusik jener Zeit noch eine Ausnahmeerscheinung darstellt und der Partitur eine charakteristische Nuance verleiht. 
Die Suite Nr. 2, 1879 posthum von Ernest Guiraud zusammengestellt, erweitert und vertieft das Ausdrucksspektrum der Musik. Sie umfasst Sätze stark unterschiedlicher Affektlage und formaler Ausprägung. Das „Adagietto“ nimmt eine Sonderstellung ein: In seiner schlichten Periodik, der zurückhaltenden Harmonik und der kammermusikalischen Transparenz entfaltet es eine intime, fast liedhafte Ausdrucksqualität. Demgegenüber steht die abschliessende „Farandole“, die durch die Kombination zweier Themen – eines provenzalischen Rundtanzes und eines Marschmotivs – sowie durch ihre stetige Steigerung und dichte Orchestrierung eine kulminierende Wirkung erzielt. 

 

Maurice Ravel (1875-1937)
Valses nobles et sentimentales
Boléro

Maurice Ravels Valses nobles et sentimentales (1911) und der Boléro (1928) markieren zwei sehr unterschiedliche, zugleich komplementäre Aspekte seines kompositorischen Denkens: einerseits die reflektierte Auseinandersetzung mit musikalischer Tradition, andererseits die radikale Konzentration auf Klang, Rhythmus und formale Prozesshaftigkeit. 
Die Valses nobles et sentimentales stehen bewusst im Dialog mit Franz Schubert, dessen gleichnamige Walzersammlungen Ravel im Titel zitiert. Anders als bei einer stilistischen Nachahmung handelt es sich jedoch um eine moderne Lesart des Walzers. Die acht kurzen Stücke – ursprünglich für Klavier komponiert und später von Ravel selbst orchestriert, sind motivisch knapp gefasst, harmonisch kühn und formal fragmentarisch angelegt. Tonale Zentren werden zwar angedeutet, aber durch bitonale Überlagerungen, scharfe Dissonanzen und abrupte Übergänge destabilisiert. Der traditionelle Walzertakt bleibt als formales Gerüst präsent, wird jedoch rhythmisch und klanglich gebrochen. Der abschliessende Epilog fungiert weniger als konventioneller Schlusssatz, denn als retrospektiver Kommentar: Fragmente der vorangegangenen Walzer erscheinen wie Erinnerungssplitter. 
Der Boléro nimmt innerhalb von Ravels Œuvre eine Sonderstellung ein. Das 1928 entstandene Werk basiert auf einem stark reduzierten kompositorischen Material: zwei achttaktige Themen, ein durchgängiger Boléro-Rhythmus und eine unveränderte harmonische Grundlage. Ravels Innovationsleistung liegt hier nicht in thematischer Entwicklung, sondern in der konsequenten Steigerung durch Instrumentation und Dynamik. Die Melodie wandert durch nahezu alle Instrumentengruppen des Orchesters, wobei jede Wiederholung neue klangfarbliche Aspekte hervorbringt. Der formale Prozess ist strikt linear und kulminiert erst ganz am Ende in einer überraschenden harmonischen Wendung und einem abrupten Schluss. 
Gemeinsam zeigen beide Werke Ravels meisterhafte Kontrolle über Form und Klang. Während die Valses nobles et sentimentales eine historisch reflektierte Moderne repräsentieren, demonstriert der Boléro eine fast experimentelle Reduktion auf musikalische Grundparameter. In ihrer Gegensätzlichkeit verdeutlichen sie Ravels zentrale Position zwischen Tradition und Avantgarde innerhalb der französischen Musik des frühen 20. Jahrhunderts. 

 

Text: Fridolin Steiner



Eintrittspreise «Spezialkonzert» Ravel tanzt
1. Kategorie: CHF 60.-
2. Kategorie: CHF 55.-
3. Kategorie: CHF 50.-
Kinder (7 bis 15 Jahre): CHF 10.-
Jugendliche (16 bis 25 Jahre): 15.-

Event Header

Veranstaltungs Informationen
Datum 20.03.2027 - 19:30 bis 21:30 Uhr
Saal Schadausaal 
Kategorie Konzert 

Veranstalter

Thuner Stadtorchester

3600 Thun

079 882 84 82
abos@thunerstadtorchester.ch
Website
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